Regenwurm im Rasen
regenwurmhaeufchen

Schädlinge im Intensivrasen?
Nutzen, Probleme, Lösungsansätze - Ergebnisse einer Literaturrecherche

Factsheet – Regenwürmer

Regenwürmer gehören zoologisch zu den Ringelwürmern (Annelida) und sind ein wichtiger Teil der Makrofauna eines gesunden Bodens. In Deutschland kommen insgesamt 39 Arten von Regenwürmern vor. Diese werden nach ihrer Lebensweise unterteilt in:

  • Kompostwürmer
  • epigäische Regenwürmer
  • endogäische Regenwürmer
  • anezische Regenwürmer

Im Hinblick auf Rasenschäden sind ausschließlich die anezischen Arten von Belang, die tiefreichende Wohnröhren mit Zugang zur Bodenoberfläche graben und teilweise sehr große Kothaufen (Wurmlosungen) an der Oberfläche zurücklassen. Der größte und wichtigste Vertreter dieser anezischen Regenwürmer ist Lumbricus terrestris (Tauwurm).

Regenwürmer atmen ausschließlich über die Haut. Damit dieser Gasaustausch stattfinden kann, muss die Haut eine ausreichende Feuchte
aufweisen, weshalb sich Regenwürmer vor allem in feuchten Bodenschichten und auf tau-feuchten Oberflächen aufhalten. Saure und deutlich basische Böden werden gemieden.
Ihren Nahrungsbedarf decken Regenwürmer durch tote organische Substanz, die sie entweder auf oder im Boden vorfinden. Damit tragen sie aktiv zur Reduktion von Filz bei.

Im Zuge der Nahrungsverwertung erzeugen die Regenwürmer aus toter organischer Substanz und Mineralboden den so genannten Wurm-Mull. Dieser enthält pflanzenverfügbare Nährstoffe und wird von den Würmern direkt in den Boden eingearbeitet.

Neben der Umsetzung organischer Substanz verbessern Regenwürmer durch ihre Wohnröhren auch den Lufthaushalt des Bodens und die Infiltration von Wasser in den Boden.

→ Regenwürmer sind Nützlinge

Bei ungünstigen Witterungsbedingungen (zu trocken, zu warm, zu kalt) fallen sie in eine Ruhephase. Während den Hauptaktivitätsphasen im Frühjahr und Herbst setzen die Regenwürmer sehr hohe Mengen an organischer Substanz um. Dies führt dazu, dass überschüssiger Wurm-Mull entsteht und insbesondere von den anezischen Regenwürmern an der Bodenoberfläche als Losung abgelegt wird. Bei hohen Besatzdichten kann dies zu einer erheblichen „Verschmutzung“ der Bodenoberfläche führen.

Diese „Verschmutzungen“ stellen das Hauptproblem mit Regenwürmern auf Intensivrasenflächen dar, da

  • die Platzpflege erschwert wird,
  • der Rasenbestand sekundär geschädigt werden
    kann,
  • der Spielbetrieb gestört wird und
  • sich das Verletzungsrisiko für die Spieler erhöht.

Eine Anzahl von 40 bis 50 Losungen pro m² ist auf einem Fairway nach Angaben der Literatur und bei der Auswertung einer Umfrage von Greenkeepern als Schadgrenze anzusehen. Auf Golfgrüns kann maximal eine Losung pro Quadratmeter toleriert werden. Auf sandigen Grüns, gebaut nach USGA oder FLL, treten kaum Regenwurmlosungen auf.

Ziel ist es, die Anzahl der Losungen unter der Schadgrenze zu halten, ohne das Gräserwachstum, den Boden und die Makrofauna zu beeinträchtigen.

In der Literatur werden unterschiedliche Ansätze
zur Verminderung der Wurmlosungen verfolgt.

Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln gegen Regenwürmer ist in der Bundesrepublik Deutschland gesetzlich verboten. Der Einsatz dieser Präparate ist mit der Tötung der äußerst nützlichen Tiere verbunden.

→ Reduktion durch Vertreibung

Durch die Anpassung der Regelpflege wie

  • Besanden » Losungen zerfallen leichter
  • Schnittgutabfuhr » Reduktion Nahrungsangebot
  • Saure Düngung » Absenkung Boden-pH-Wert

kann die Anzahl der Regenwürmer und somit die
Anzahl der Losungen vermindert werden.

Dies wird vor allem auf die geschmackstypischen Inhaltsstoffe Allylisothiocyanat, Carvon und Allicin dieser Kulturen zurückgeführt. Weiterhin finden sich Hinweise, dass Paprika/Chilli mit dem Schärfewirkstoff Capsaicin zur Auswanderung von
Regenwürmern führt.
Senflösung wird bei der bodenbiologischen Austreibung von Regenwürmern verwendet. Das Allylisothiocyanat wirkt reizend auf die ungeschützte Regenwurmhaut. Der Wirkstoff alleine gilt als giftig. Das für Dill und Minze
geschmackerzeugende Carvon ist ein leichtflüchtiges ätherisches Öl. Das Allicin der Zwiebeln und des Knoblauches wirkt reizend und antibakteriell. Als biologisches Pflanzenstärkungsmittel wird es zur Vergällung von Fadenwürmern (Caenorhabditis) eingesetzt. Capsaizine als Inhaltsstoffe von Chilli/Pfeffer erzeugen bei Säugetieren den typischen Schärfereiz. Diese Reizung soll auch bei Regenwürmern eintreten. Die aufgeführten Präparate sind alle natürlichen Ursprungs und unterliegen in der vorgesehenen Dosierung nicht dem Pflanzenschutzgesetzt. Zum Teil werden bereits Handelsprodukte mit diesen Wirkstoffen zur Vertreibung von Regenwürmern angeboten.

Bisher finden sich jedoch nur wenige wissenschaftliche Berichte über Anwendung, Dosierung und direkte Wirkung auf Regenwürmer. In einer umfassenden Untersuchung soll die Wirkung der genannten Präparate geprüft werden. Zusätzlich wird versucht eine Korrelation zwischen Anzahl von Losungen und der Besatzdichte von L. terrestris zu erzielen, damit eine Schadschwelle nicht nur an den Losungen sondern anhand der Anzahl der Individuen möglich wird.

Das FACTSHEET basiert auf der Bachelor-Arbeit von Simon Schobel an der Rasen-Fachstelle RFH der Universität Hohenheim mit dem Thema „Methoden zur Reduktion der oberflächlichen Regenwurmaktivität auf Intensivrasenflächen“

(UNIVERSITÄT HOHENHEIM, Institut für Kulturpflanzenwissenschaften (340A), Rasen-Fachstelle, Fruwirthstr. 23, 70593 Stuttgart)

Literatur:

  • Graff, O. (1983): Unsere Regenwürmer, Verlag M. und H. Schaper,
    Hannover
  • Westernacher-Dotzler, E. (1988): Abundanz von Regenwürmern
    (Lumbricidae, Oligochaeta) unter verschiedenen Kulturpflanzen,
    Gießener Bodenkundliche Abhandlungen, Band 4
  • Williamson, R.C. und Hong, S.C. (2005): Alternative, non-pesticide
    management of earthworm casts in golf course turf, ITS Research
    Journal, Volume 10, S. 797-802
  • Paul, G. (2011): Take a fresh look at the problem of worm casts on
    turf, STRI Bulletin 252, S. 12-15
  • Fründ, H. und Jordan B. (2003): Regenwurmerfassung mit Senf
    oder Formalin? Osnabrücker Naturwissenschaftliche Mitteilungen,
    Band 29, S. 97-102
  • Kirby, E.C. und Baker, S.W. (1995): Earthworm populations,
    casting and control in sports turf areas: a review, Journal of Sports
    Turf Research Institute, Vol. 71, S. 84-98

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